Funktionstherapie       

Die Funktionlehre beschäftigt sich mit den Zusammenhängen des gesamten Kauorgans. Dies beinhaltet die Muskulatur, die Gelenke und die Morphologie der Zähne und deren Funktion.

 

Die Funktionstherapie beinhaltet:

  1. Funktionelle Prophylaxe
  2. Therapie von Kiefergelenksproblemen/-beschwerden (CMD)
  3. Schienentherapie
  4. Funktionelle/Bioästhetische Gesamtsanierung

 

Funktionelle Prophylaxe

Die funktionelle Prophylaxe dient dem Zahnerhalt.

Eine falsche funktionelle Belastung - z.B. Knirschen oder Pressen- kann Substanzverlust an den Zähnen zur Folge haben. Das Risiko von Kiefergelenkserkrankungen steigt; Muskeln und Bänder können überlastet werden. Im menschlichen Gebiß hat quasi jeder Zahn, bzw.jede Zahngruppe eine bestimmte Aufgabe. Die Zähne sind mit unterschiedlich sensiblen Nerven oder verschieden starkem Halteapparat ausgerüstet. Wird ein Zahn nicht seiner Bestimmung nach verwendet z.B. durch Fehlstellung, so kann es zu Abnutzungserscheinungen führen. Darüber hinaus kann der Zahnhalteapparat erkranken (Knochenabbau).

 

Früher ging man davon aus, daß Zähne durch den täglichen Gebrauch im Alter kürzer werden. Heute weiß man, daß der Grad der Abnutzung in sehr engem Zusammenhang mit der Belastung der Zähne steht. Es gibt ältere Patienten, die praktisch keine Abnutzungserscheinungen an den Zähnen haben, aber auch junge Patienten, deren Zähne schon sehr starke Defekte aufweisen. Meist beginnt der Abrieb an den Eckzähnen und an den Schneidezähnen.

Die Ursachen für nicht altersgemäßem Zahnabrieb sind vielfältig. Zur Diagnostik müssen nach Abdrucknahme Gipsmodelle hergestellt werden und weitere Untersuchungen folgen.

 

Die funktionelle Prophylaxe hat sich zum Ziel gesetzt, die Ursache für die Abnutzung der Zähne herauszufinden, die Zähne wieder in eine "gesunde" Form und Länge zu bringen und eine erneute Abrasion der Zähne zu verhindern.

 

Erreicht wird dies in vielen Fällen durch minimales Einschleifen oder z.B. durch den Aufbau von bestimmten Zahnflächen mit Composite oder Vollkeramik (Veneers). Diese angesprochenen Maßnahmen sind minimalinvasiv und schonen die Zahnsubstanz. Selten ist extremes Beschleifen notwendig.

 

Ähnlich wie Sie Ihr Leben lang eine "bakterielle Prophylaxe" (Professionelle Zahnreinigung) durchführen lassen, sollte auch die Funktion Ihres Kausystem in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Das Kauorgan ist ein biologischen System das im Gleichgewicht gehalten werden muß.

 

Kiefergelenksprobleme/-beschwerden

Das Kiefergelenk ist das komplizierteste Gelenk im menschlichen Körper. Es hat zwei Gelenkkammern, eine obere und eine untere. Es besteht also aus zwei Gelenken. Der obere Anteil ist ein reines Gleitgelenk, d.h. der Gelenkkopf gleitet bei weiter Mundöffnung auf der Gelenkfläche nach vorne und der untere Anteil des Gelenkes ist ein reines Rotationsgelenk, d.h. der Gelenkkopf dreht sich auf der Gelenkscheibe bei geringer Mündöffnung. Das Gelenk wird von Bändern und Muskeln stabilisiert.

 

In einem so komplizierten Gelenk kann natürlich auch viel passieren. Man unterscheidet zwischen entzündlichen Prozessen in den Bändern und der Muskulatur, degenerativen Veränderungen an den Gelenkflächen (Arthrose) und einer anterioren Diskusverlagerung (entspricht einem Bandscheibenvorfall).

So unterschiedlich die Diagnosen sein können, so unterschiedlich sind auch die jeweiligen Therapieansätze.

 

Bei entzündlichen Prozessen in den Bändern und der Muskulatur wird primär mit entzündungshemmenden Medikamenten und Entspannungsschienen therapiert, um das akute Geschehen in den Griffzu bekommen. Daran schliesst sich, wie bei allen Gelenkserkrankungen, eine genaue Diagnostik an um die Ursache der Entzündung festzustellen und ein erneutes Auftreten zu verhindern.

 

Bei degenerativen Veränderungen im Kiefergelenk (Arthrose) wird primär eine Untersuchung des Gelenks in verschiedenen Grenzpositionen durchgeführt, um die Lage der Veränderung feststellen zu können und um etwaige andere Ursachen ausschliessen zu können. Daran schliesst sich in den meisten Fällen ein MRT(Magnetresonanztomogramm) an, bei dem die Gelenkbestandteile optisch dargestellt werden können. Mit den gewonnenen Diagnosen kann dann die entsprechende Therapie eingeleitet werden, die im Prinzip immer auf einer Entlastung des Kiefergelenks basiert. In welcher Form und mit welchen Mitteln dies geschieht, ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, beruht aber immer auf der Vorstellung, dass die Zähne als „Krücken" für das Kiefergelenk funktionieren sollen.

 

Bei einer Diskusverlagerung (Bandscheibenvorfall) muß man zwischen akutem und nicht akutem Geschehen unterscheiden. Bei einem akuten Diskusvorfall, sprich nach max. einer Stunde, kann man versuchen, das Kiefergelenkköpfchen wieder dauerhaft auf der Gelenkscheibe zu positionieren und für 2-3 Wochen zu immobilisieren. Die Erfolgsaussichten dafür sind aber leider eher mittelmäßig einzuschätzen, da die Bänder und Sehnen im Gelenk durch den Vorfall schon stark gedehnt wurden und dem Gelenk langfristig keineStabilität mehr bieten können.

 

Bei einer nicht akuten Diskusvorverlagerung, sprich es liegt schon mehrere Tage oder sogar Jahre zurück, kann man das Gelenkköpfchen auf keinen Fall mehr auf der Bandscheibe stabilisieren. In diesem Fall müssen die Gelenkflächen entlastet werden um dem Gelenk die Möglichkeit zu geben, neues bandscheibenartiges Gewebe zu bilden und einen sog. Ersatzdiskus zu schaffen. Die Entlastung erfolgt mit einer Distraktionsschiene, die im Unterkiefer eingegliedert wird und 24h amTag getragen werden muß (Auch hier beruht alles wieder auf demPrinzip, dass die Zähne, bzw. die Schiene, als Krücke für das Kiefergelenk dient).

 

Hat sich neues Gewebe im Gelenksspalt gebildet,so muß die neu gewonnene Bisshöhe von der Schiene auf die Zähne übertragen werden, was eine Sanierung mindestens eines kompletten Kiefers betrifft. Die Schiene ist hier nicht als Dauerlösung anzusehen.

 

Schienentherapie

Die Notwendigkeit einer Schienenbehandlung kann mehrere Ursachen haben.

Durch Pressen oder Knirschen können Zähne geschädigt werden. Um dies zu vermeiden, kann eine Schutzschiene (Michigan-Schiene), die meist nur nachts getragen wird, hergestellt werden.

 

Ein weiterer Grund kann eine Kiefergelenksproblematik sein.

D.h. Sie haben Schmerzen durch zu starke Belastung des Kiefergelenks durch Fehlstellung der Zähne und somit verbundener funktioneller Fehlbelastung des Kiefergelenks. Hier hilft die Schiene die Kiefergelenke zu entlasten. Durch Aufheben des gewohnten Bisses oder Beseitigung von Fehlkontakten und Positionierung des Unterkiefers in einer therapeutischen Lage kann man eine Entspannung der Bänder und der Muskulatur bewirken und somit die Schmerzen lindern.

 

Aber auch ein akutes Geschehen im Kiefergelenk kann eine Schienenbehandlung notwendig machen. So zum Beispiel, wenn ein Kiefergelenk von der Gelenkscheibe springt, sozusagen ein Bandscheibenvorfall im Kiefergelenk. Hier hilft die Schiene, indem sie den Unterkiefer vom Schädel nach unten positioniert. Sie dient also als Krücke für das Kiefergelenk und entlastet somit das gereizte Gewebe im Gelenkspalt. So eine Schiene (Distraktionsschiene) muß 24h am Tag getragen werden und wird meist im Unterkiefer hergestellt.

 

Im Vorfeld einer Gesamtsanierung in gelenksbezogener Position des Unterkiefers wird auch eine Schiene benötigt. Diese hilft eine stabile und entspannte Lage des Unterkiefers in Bezug auf das Kiefergelenk zu finden und die anschliessende Sanierung in dieser Position durchzuführen. Während dieser Schienenbehandlung sind regelmäßige Kontrollen im Abstand von ca. 2-3 Wochen nötig, um Veränderungen der Gelenksposition sofort korrigieren zu können. Die Schiene wird dann eingeschliffen, d.h., sie wird an die veränderte Position angepasst.

 

Funktionelle Gesamtsanierung

Eine Totalsanierung, d.h. eine Behandlung des Ober- und Unterkiefers zum selben Zeitpunkt wird dann nötig, bzw. ist dann sinnvoll, wenn zum Beispiel Kiefergelenksprobleme vorliegen, die vorhandenen Zähne starke Abrasionen (Hartsubstanzverluste durch Fehlbelastung wie z.B. Pressen, Knirschen oder durch nicht korrekte Belastung aufgrund von Form- oder Stellungsanomalien) vorweisen,funktionell, ästhetisch sowie parodontal schlechte Restaurationen(Kronen oder Brücken) vorliegen, oder wenn die Zähne durch Fehlbelastung empfindlich werden und wenn es durch diese Fehlbelastung zu Zahnlockerung und somit Knochenabbau kommt.

 

Ziel einer kompletten Sanierung ist es, die ursprünglichen Form und Beziehung der Zähne zueinander wieder herzustellen. Häufig ist eine Bisshebung erforderlich, um die bereits vorhandenen Substanzverluste der Zähne zu korrigieren und um dem Zahntechniker genügend Freiräume für eine funktionell und ästhetisch optimale Verorgung zu gewährleisten.